Die Lift-off Distance beschreibt, ab welcher Höhe ein Maussensor beim Anheben keine verwertbaren Bewegungen mehr überträgt. Besonders beim wiederholten Umsetzen einer Maus kann sie das Cursorverhalten beeinflussen. Der Wert ist jedoch keine isolierte Eigenschaft eines Sensornamens: Optik, Firmware, Oberfläche und Gleitfüße wirken zusammen.
- LOD bezieht sich auf den Tracking-Abbruch beim Anheben; Landing Distance auf die Wiederaufnahme beim Absenken.
- Niedrige LOD kann ungewollte Cursorbewegungen beim Umsetzen vermindern, ein zu knapp eingestellter Grenzwert kann jedoch Tracking-Probleme auslösen.
- Ein PAW3950 oder HERO-2-Sensor besitzt nicht automatisch dieselbe LOD in jeder Maus – die Umsetzung hängt vom Modell ab.
- Andere Skates oder Mousepads verändern unter Umständen die effektive Sensorhöhe und das Verhalten an der Erkennungsschwelle.
1. Lift-off Distance und Landing Distance: zwei unterschiedliche Schwellwerte
Bei einer optischen Gaming-Maus wird die Unterlage wiederholt beleuchtet und abgebildet. Aus der Veränderung aufeinanderfolgender Bilder errechnet die Sensorverarbeitung eine Bewegung. Wird die Maus angehoben, ändern sich Fokus, Kontrast und Qualität der reflektierten Oberflächenstruktur. Ab einer gewissen Höhe kann das System keine zuverlässige Bewegung mehr bestimmen oder die Firmware entscheidet ausdrücklich, die Ausgabe zu unterbrechen.
Die Lift-off Distance bezeichnet im praktischen Gebrauch die Höhe, bei der das Tracking beim Anheben abbricht. Der umgekehrte Schwellwert beim Absenken wird häufig Landing Distance genannt. Beide Werte müssen nicht identisch sein.
Wenn der Sensor beispielsweise beim Anheben oberhalb einer Schwelle abschaltet und beim Absenken erst in geringerer Höhe wieder einschaltet, entsteht ein Abstand zwischen beiden Zustandswechseln. Diese Hysterese kann das Ein- und Ausschalten nahe dem Grenzwert stabilisieren. Konkrete Zahlen hängen von Modell und Einstellung ab; die Beschreibung ist ein Funktionsprinzip, keine pauschale Herstellerspezifikation.
Warum das vor allem bei niedriger Sensitivität auffällt
Bei einer niedrigen Ingame-Sensitivität wird die Maus häufig über größere Strecken bewegt und neu aufgesetzt. Während dieses Umsetzens soll der Cursor möglichst stillstehen. Wenn der Sensor noch in größerer Höhe Bewegungen überträgt, kann das beim Anheben oder seitlichen Versetzen unerwünschte Aim-Verschiebungen verursachen.
Ein niedriger Schwellwert garantiert jedoch nicht, dass ein Mensch präziser spielt. Er verändert zunächst nur, in welcher Phase des physischen Anhebens die Maus Bewegung registriert. Bewegungstechnik, Handhaltung und Mousepad beeinflussen den Nutzen.
2. Was die Optik mit der Erkennungshöhe zu tun hat
Ein typischer optischer Maussensor besteht aus Beleuchtung, Abbildungsoptik, Bildsensor und digitaler Signalverarbeitung. Entscheidend ist die Abbildbarkeit der Oberflächenstruktur, nicht bloß die Helligkeit. Wird die Maus vom Pad entfernt, verliert die Optik mit zunehmendem Abstand die für die Bewegungsberechnung notwendige Bildqualität.
Die Firmware kann anhand interner Qualitätsmaße und der Sensorunterstützung festlegen, wann Bewegungsdaten verworfen werden. Verschiedene Sensor- und Firmwarekombinationen können daher auf derselben Unterlage unterschiedliche Abbruchhöhen zeigen. Selbst zwei Mäuse mit gleichem PixArt-Sensor müssen nicht dieselbe LOD haben: Sensorlinse, Einbauhöhe, Gleitfüße und implementierte Parameter können abweichen.
Warum schwarze, gemusterte und reflektierende Pads unterschiedlich reagieren können
Textilgewebe, Mikrofaserstrukturen, Beschichtungen sowie harte Oberflächen liefern unterschiedliche optische Signale. Ein Pad kann bei normaler Auflage problemlos funktionieren, aber beim Abheben früher oder später seine auswertbare Struktur verlieren. Stark glänzende oder ungewöhnlich reflektierende Oberflächen können das Verhalten ebenfalls beeinflussen. Die Farbgebung allein erklärt diese Unterschiede nicht zuverlässig.
Ein Sensor mit besonders hoher beworbener CPI-/DPI-Auflösung hat dadurch nicht automatisch eine niedrigere LOD. Die Auflösung beschreibt die Umsetzung von Wegstrecke in Zählwerte; LOD beschreibt einen Tracking-Grenzbereich in der Höhe.
3. Sind 1 mm oder 2 mm besser?
Bei Gaming-Mäusen sind grob um 1 und 2 mm liegende Einstellbereiche verbreitet; einzelne Geräte erlauben zusätzliche Stufen. Die Zahlen müssen mit Vorsicht gelesen werden. Je nach Hersteller kann es sich um ein auswählbares Profil, einen ungefähren Sollwert oder einen Messwert unter definierten Bedingungen handeln.
| Einstellung | Praktischer Effekt | Möglicher Nachteil |
|---|---|---|
| Niedrig, etwa 1 mm | Tracking wird beim frühen Anheben unterbrochen; beim Umsetzen weniger Restbewegung. | Auf unebenen/zu weichen Unterlagen oder mit hohen Skates eventuell unerwünschte Tracking-Abbrüche. |
| Höher, etwa 2 mm | Mehr Abstandstoleranz bei geneigter Maus oder wechselndem Padkontakt. | Bewegungen während des Abhebens können länger registriert werden. |
| Erweiterte/asymmetrische Einstellung | Anhebe- und Aufsetzschwellen getrennt anpassbar. | Je nach Software komplexer; nicht bei jeder Maus verfügbar. |
Eine möglichst niedrige Zahl ist nicht automatisch optimal. Sinnvoll ist die niedrigste Einstellung, bei der auf dem eigenen Pad bei normaler Auflage, Neigung und Druck keine Tracking-Aussetzer auftreten. Diese Abwägung betrifft Zuverlässigkeit und Verhalten beim Umsetzen, nicht einen abstrakten Leistungsrang.
Wie stark unterscheiden sich die Werte geometrisch?
Eine Schwelle von 2 statt 1 mm bedeutet theoretisch etwa einen Millimeter zusätzliches Anheben bis zum Abbruch. Dabei ist zu beachten, ob die Messung von der Unterseite des Skates, der Sensoröffnung oder einer anderen Referenzebene erfolgt. Ohne einheitliche Messmethode können Herstellerwerte nicht auf Zehntelmillimeter genau miteinander verglichen werden.
4. Konkrete Umsetzungen bei Logitech, Razer, SteelSeries und Pulsar
Logitech HERO 2: Einstellung von LOD und Skate-Höhe
Logitech beschreibt für den HERO-2-Sensor in G HUB nicht nur eine anpassbare Lift-off Distance, sondern auch Optionen zur Abstimmung auf unterschiedliche Mausfußhöhen. Das ist technisch relevant: Ein Skatewechsel verändert den Abstand zwischen Sensor und Oberfläche. Die Einstellung ist daher eine Eigenschaft des Gesamtsystems Maus und Software, nicht eine feste Zahl, die alle HERO-2-Geräte gemeinsam haben.
Razer Focus+ mit Smart Tracking: Anheben und Absenken getrennt betrachten
Razer dokumentiert für kompatible Geräte mit Focus+ Optical Sensor eine Smart-Tracking-Funktion und Einstellmöglichkeiten für Lift-off und Landing. Die Software soll den gewünschten Grenzbereich auf verschiedenen Oberflächen konsistenter halten. Die Funktion heißt teils „Asymmetric Cut-off“; ihre Verfügbarkeit hängt vom genauen Mausmodell und Softwarestand ab.
SteelSeries TrueMove Pro+: zusätzlicher Distanzsensor
Als abweichender technischer Ansatz nennt SteelSeries für den TrueMove Pro+ einen zusätzlichen Lift-off-Sensor. Die offizielle Dokumentation führt einen einstellbaren Bereich von 0,5 bis 2 mm auf. Das Beispiel zeigt, dass LOD nicht ausschließlich über dieselbe optische Tracking-Einheit geregelt werden muss.
Pulsar TenZ Signature Edition: modellabhängige LOD-Stufen
Für die Pulsar TenZ Signature Edition mit XS-1-Sensor nennt die Produktbeschreibung mehrere LOD-Stufen, beispielsweise 0,7 / 1 / 2 mm. Diese Werte sind als dokumentierte Geräteeinstellungen zu verstehen und nicht als unabhängige, unter allen Pads nachgemessene tatsächliche Abbruchhöhen.
PixArt PAW3395 und PAW3950: Sensorname allein reicht nicht
Modelle mit PixArt-Sensoren – etwa die Scyrox V6 mit PAW3950 – illustrieren die verbreitete Nutzung leistungsfähiger optischer Sensoren. Über den exakten LOD-Grenzwert lässt sich allein aus „PAW3950“ oder „PAW3395“ jedoch keine belastbare universelle Aussage treffen. Bei Bedarf müssen Produktsoftware, Firmwaredokumentation und Messung des konkreten Modells herangezogen werden.
Eine im Treiber auswählbare „1-mm-Stufe“ ist ein Profilname beziehungsweise Sollwert. Die gemessene Tracking-Abbruchhöhe kann mit Unterlage, Neigung und Skate-Konfiguration abweichen. Produktbeschreibungen sollten deshalb weder als Laborprotokoll noch als Garantie eines exakten Millimeterwerts interpretiert werden.
5. Warum andere Skates und Mousepads die LOD verändern können
Die Gleitfüße legen die mechanische Höhe der Maus fest. Wenn neue Skates dicker oder dünner sind als die vorherigen, verschiebt sich der Abstand des Sensorfensters zur Oberfläche. Bei einer besonders knapp eingestellten LOD kann diese kleine geometrische Veränderung relevant werden. Auch der Klebstoff und ein zurückgebliebener Rest alter Skates beeinflussen die Höhe.
Beispiel: Wechsel auf 0,8-mm-Skates
Für die X-Raypad Jade GPX2 werden 0,8 mm Materialstärke genannt. Das bedeutet nicht, dass ein Wechsel von einem beliebigen Serienfuß genau 0,8 mm zusätzliche Höhe erzeugt. Entscheidend ist die Differenz zwischen beiden montierten Gesamthöhen inklusive Klebeschichten. Ein auffälliges Tracking nach dem Austausch sollte deshalb zuerst auf Montage und Auflage geprüft werden.
Weiches Stoffpad: Unterlage gibt unter Druck nach
Auf einem XSOFT- oder ähnlich nachgiebigen Mauspad sinkt die Maus je nach Fußgeometrie und Druck weiter ein als auf einem harten Pad. Beim Anheben oder Kippen ändern sich dadurch sowohl tatsächlicher Sensorabstand als auch Kontaktgeometrie. Deshalb ist es sinnvoll, die LOD auf dem Mousepad zu prüfen, auf dem die Maus tatsächlich verwendet wird.
Glas-Pad: stabile Höhe, andere Optik
Ein starres Glas-Mauspad verformt sich kaum unter Handdruck, stellt den Sensor optisch jedoch vor eine andere Oberfläche als ein Gewebepad. Eine LOD, die auf Stoff zuverlässig funktioniert, muss auf Glas nicht identisch sein. Darüber hinaus sind nur für Glas geeignete Skates zu verwenden; Glas-Skates auf Glas-Pads sind nicht zu empfehlen.
6. Lift-off Distance nachvollziehbar selbst prüfen
Ein reproduzierbarer LOD-Vergleich ist möglich, wenn die Messmethode klar beschrieben wird. Für eine einfache Näherung eignen sich gleichmäßig dicke Abstandshalter, die seitlich unter die Füße geschoben werden, ohne das Sensorfenster zu verdecken. Häufig wird dafür eine CD verwendet; ihre Dicke beträgt typischerweise grob 1,2 mm. Für präzisere Werte sind gemessene Distanzplättchen sinnvoll.
- Ausgangsbedingungen festhalten: Mausmodell, Firmware, Polling-Rate, LOD-Profil, Pad und Skate-Typ notieren.
- Ausgangszustand kontrollieren: Maus flach auflegen und eine langsame, gleichmäßige Bewegung durchführen. Der Cursor muss zuverlässig folgen.
- Abstand stufenweise erhöhen: An beiden relevanten Auflagebereichen gleich hohe, dünne Distanzstücke einsetzen. Die Maus möglichst parallel zur Unterlage halten.
- Seitwärtsbewegung prüfen: Bei jeder Höhe die Maus vorsichtig parallel verschieben und protokollieren, ob weiterhin eine Cursorbewegung entsteht.
- Absenkverhalten separat beobachten: Von einer Höhe ohne Tracking schrittweise zur Unterlage zurückkehren. Dadurch lässt sich eine mögliche Hysterese erkennen.
- Mehrfach wiederholen: Unterschiedliche Stellen des Pads und mehrere Wiederholungen prüfen, ohne den Anstellwinkel zu verändern.
Eine CD-basierte Prüfung ist eine grobe Stufenmessung und liefert keine 0,1-mm-Präzision. RTINGS verwendet in seiner veröffentlichten LOD-Testmethodik ebenfalls definierte Distanzstufen. Entscheidend ist, ob man die relativen Unterschiede unter denselben Bedingungen reproduzieren kann.
Was im Protokoll stehen sollte
| Messgröße | Beispielhafte Dokumentation |
|---|---|
| Oberfläche | Stoffpad, weich; genaue Bezeichnung |
| Skates | Serienfüße oder Ersatzskates; Montagezustand |
| Einstellung | LOD-Profil 1 mm beziehungsweise 2 mm |
| Tracking bei Abstand | Ja/Nein in jeder getesteten Distanzstufe |
| Stabilität | Aussetzer, Restbewegung, Unterschiede beim Kippen |
7. Häufige Fehlerbilder: Was ist wirklich ein LOD-Problem?
Cursor bewegt sich beim Umsetzen
Der Sensor überträgt womöglich noch Bewegung, während die Maus schon angehoben wird. Teste eine niedrigere LOD-Stufe, sofern verfügbar. Prüfe dabei, ob der Cursor auf dem Pad weiterhin stabil läuft. Eine extrem niedrige Einstellung, die Tracking-Ausfälle verursacht, ist keine Verbesserung.
Cursor setzt bei normaler Bewegung kurz aus
Hier kommt unter anderem ein zu niedriger Erkennungsschwellenwert infrage, besonders bei dicken Skates, Kippen oder einem sehr weichen Pad. Daneben sind Schmutz am Sensorfenster, beschädigte Füße, Kabel-/Funkprobleme und Firmwarefehler mögliche Ursachen. Ein Abbruch während der Bewegung ist kein eindeutiger LOD-Beweis.
Nur auf einem bestimmten Mauspad treten Probleme auf
Vergleiche die Oberfläche mit einem sauberen Referenzpad und dokumentiere die jeweilige Einstellung. Wenn die Maus ausschließlich auf einer stark reflektierenden oder ungewöhnlich strukturierten Oberfläche aussetzt, kann die optische Abbildung problematisch sein – auch bei korrekt eingestellter LOD.
Nach einem Skatewechsel stimmt das Tracking nicht mehr
Kontrolliere, ob alle alten Klebe- und Skate-Schichten entfernt wurden, ob keine Transportfolie auf den neuen Füßen verblieben ist und ob die Maus vollständig auf den Skates steht. Erst danach sind LOD-Profil und eine eventuell angebotene Oberflächenkalibrierung sinnvolle Ansatzpunkte.
8. Häufige Fragen
Ist niedrige LOD grundsätzlich besser?
Eine niedrigere LOD kann Restbewegungen beim Anheben verringern. Sie ist aber nur dann sinnvoll, wenn bei normaler Auflage und in typischen Bewegungswinkeln keine unerwünschten Tracking-Abbrüche auftreten.
Kann ein PAW3950-Sensor 0,7 mm LOD erreichen?
Aus dem Sensornamen allein lässt sich das nicht bestätigen. Die Fähigkeiten eines konkreten Geräts hängen von Optik, Sensorparametern und Firmware ab. Entscheidend sind die für das Modell dokumentierten Profile und gegebenenfalls Messungen.
Was ist „Asymmetric Cut-off“?
Damit wird bei kompatiblen Mäusen die getrennte Festlegung von Grenzwerten für das Anheben und Absenken bezeichnet. Dadurch können Tracking-Abbruch und -Wiederaufnahme unterschiedlich hoch liegen.
Beeinflusst die Polling-Rate meine LOD?
Die Polling-Rate beschreibt, wie häufig Berichte an den Computer übertragen werden. Die LOD betrifft die Höhenabhängigkeit der optischen Bewegungserkennung. Manche Firmware koppelt Betriebsprofile, aber eine höhere Polling-Rate bedeutet für sich genommen keine geringere LOD.
Was tun, wenn die Maus-Software keine LOD-Einstellung bietet?
Dann bleibt die vom Hersteller vorgesehene Abstimmung maßgeblich. Eine saubere, geeignete Oberfläche, korrekte Skate-Höhe und aktuelle Firmware sind die wichtigsten beeinflussbaren Faktoren. Nicht unterstützte Treiberparameter sollten nicht auf Verdacht verändert werden.
Quellen und technische Nachweise
- Logitech G: HERO 2 – LOD- und Skate-Höhen-Einstellungen
- Razer Support: Smart Tracking, Lift-off und Landing Distance
- SteelSeries: TrueMove Pro+ mit separatem Lift-off-Sensor
- RTINGS: Sensor- und LOD-Testmethodik
- InputGear: Pulsar TenZ Signature Edition – dokumentierte LOD-Stufen
Stand der Einordnung: November 2026. Einstellungswerte sind nicht automatisch unabhängige Messwerte. Die Verfügbarkeit einzelner Optionen ist modell- und firmwareabhängig.
